Seidenpapier von Samarkand

 

Die Geschichte der Seidenpapierherstellung in Samarkand geht auf das 8. Jahrhundert zurück. Samarkand war die erste Stadt in Mittelasien und die zweite in der Welt, nach chinesischen Städten, die eine eigene, qualitative Papierherstellung aus Rinden des Maulbeerbaums besaß. Das in Samarkand hergestellte Papier wurde auf den Karawanenstraßen bis zur Mitte des 19. Jh. in europäische Länder geliefert. Das Papier aus Samarkand nimmt einen besonderen Platz in der Geschichte der Entwicklung diplomatischer und wirtschaftlicher Beziehungen zwischen den Menschen in Asien und Europa ein.  

In der sowjetischen Zeit die angewandte Kunst generell wurde  industrialisiert. Mit manueller Papierherstellung passierte das auch. Der "Meros" Handwerkerverein belebt die Kunst der Papierherstellung in Samarkand wieder seit dem Ende des 20. Jh. Mit Unterstützung der UNESCO, Vertretern der japanischen Agentur für internationale Zusammenarbeit, der Stiftung Handwerker Support (USA) wurde eine Wassermühle im Dorf Koni Gil erbaut. Es dauerten einige Jahre, um die Techniken des handgemachten Seidenpapiers wieder zu erlernen. Das Geheimnis der exklusiven Seidentextur ist in der Technologie der Produktion begründet. Die Grundlage ist ein Papier aus der Rinde des Maulbeerbaums zu produzieren.

Obwohl der Prozess der Papierherstellung auf den ersten Blick einfach erscheint, erfordert es eine große und intensive Arbeit. Nach dem ersten Frost, werden starke Triebe des Maulbeerbaumes abgeschnitten. Die Rinde wird abgezogen, gebürstet und anschließend für einige Stunden gekocht. Die notwendige Dichte und den Glanz wird durch Polieren mit Achaten und Muscheln erreicht.

Holzchnitzerei

Die Holzschnitzerei ist eine der ältesten angewandten Kunstformen in Usbekistan. Man verwendet verschieden Holzarten wie Ulmen-, Nuss-, Platanen-, Trauerweiden-, Maulbeer- oder Aprikosenholz.Aus Nuss und Ulmen werden Türen und Säulen geschnitzt. Nussholz dient auch für Schatullen, Buchständer, Kleiderschränke, Tische und Bleistiftkästen. Das Holz der Trauerweide ist bekannt für seine Weichheit und kommt bei der „Panjara“- Gitterfensterherstellung zum Einsatz. Musikinstrumente werden aus Maulbeerholz gefertigt. Aprikosenholz wird dabei für Dekorationen verwendet.Alle Arten von Holz werden vor der Bearbeitung lange getrocknet und in einem trockenen und warmen Raum für lange Zeit gelagert. Bis heute haben usbekische Handwerker eine wahrlich meisterhafte Beherrschung der Schnitzerei erreicht. Bei Schnitzerei gibt es drei grundlegende Stile: "bagdadi", "islimi" und "pargoni". Der "bagdadi"-Stil stellt die geometrischen Mustern dar. Der "pargoni"-Stil repräsentiert eine flache Reliefschnitzerei. Holzschnitzer markieren Verzierungen in Form von Kreisen, Dreiecken und Quadraten. Der "islami"-Stil ist ein kompliziertes Blumenmuster. Zunächst zeichnet der Künstler das Ornament auf Papier und schnitzt es danach im Holz. Heute in Usbekistan lassen sich herrliche Arbeiten der Architektur, des Gebäudedekors und verschiedener Alltagsgegenstände überall finden.

 

Goldstickerei

Die Goldstickerei aufgrund Schönheit seiner Kunstform verbreitete sich schnell von Babylon auf andere Länder. Auf dem Territorium von Usbekistan ist die Goldstickerei nach den archäologischen Funden seit dem Altertum bekannt. Z.B. auf einzigartigen Resten der Wandmalereien des 6.-8. Jahrhunderts im Palast von Afrasiab (in heutigem Samarkand) sind die Darstellungen von Menschen in eleganter, goldbestickter Kleidung zu sehen.

Als offizielle Hofkunst florierte diese Kunst auch sehr am Hof des Amir Timur im 14. Jahrhundert. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts fand dieses Handwerk seine Fortsetzung am Hofe der Emire von Buchara. Eine beträchtliche Anzahl Goldstickereien aus dem Besitz der Emire von Buchara Nasrullo (1827-1860), Abdulahad-Khan (1895-1911) und Alim-Khan (1911-1920) sind bis heute in Museen erhalten geblieben.

Im 19. und 20. Jahrhundert benutzten die Künstler der Goldstickerei Samststoff. Samt war besonders beliebt. Neben Samt, Seide und Wollstoffen wurde auch Leder bestickt. Samt wurde grundsätzlich für die Stickerei auf Mäntel benutzt. Seidenstoffe wurden für Gewänder, Kopftücher und Gürtel verwendet.
Halbseidenstoffe wurden für die Herstellung von Gebrauchs-und Verbrauchsgütern, wie z.B. Gebetsteppiche, Kissenbezüge, eingesetzt. Für Frauen wurden Ledergaloschen bestickt. 

Was waren es für Gold- und Silberfäden, die zum Sticken verwendet wurden? Es waren dünne Metallfäden, die dicht auf Seide gesponnen wurden. Für die Herstellung von goldenen Fäden wurden silberne Fäden vergoldet. Soloche Fäden waren bereits in Babylon und im alten Ägypten bekannt. Neben Goldfäden wurden auch gefärbte gesponnene und nicht gesponnene Seide verwendet.

Meister der Goldstickerei in Usbekistan erschafften erstaunliche handgemachte Produkte, wie Kippas, Kaftane, Gebetsteppiche und viele andere Dinge - jedes Produkt ein wahres Kunstwerk.

 

Teppichweberei

Die Teppichweberei ist eines der ältesten Handwerke in Zentralasien. Diese Kunst wurde seit alter Zeit durch reiche und originelle Verzierungen, eine Vielfalt von Farben und der Kunst der Darstellung sehr berühmt. Alle orientalischen Städte assoziiert man mit bunten und märchenhaften Teppichen. So kann ein usbekisches Haus kaum ohne schöne Teppiche auskommen. Sie schaffen eine behagliche Atmosphäre, Komfort und schützen vor dem Bösen. In der Regel werden sie aus Wolle, Baumwolle und Seidenfasern hergestellt.
Eine der ältesten Formen von Teppich ist die Filzmatte. Filz wurde verwendet, um den Boden und die Oberfläche der Jurte abzudecken. Farben des Filzes sind weiß, grau und dunkelbraun.
Moderne usbekische Teppiche sind für ihre abstrakten Ornamente und magischen Symbole berühmt. Farbe und Ornamente der Teppiche unterscheiden sich abhängig von der Region. Teppiche aus Samarkand weisen moderate Ornamente auf und sind grundsätzlich schwarz, rot und blau. Teppiche aus Buchara sind bemerkenswert für ihre mehrfarbigen Muster. Teppiche mit roten und blauen Streifen herrschen im Fergana-Tal vor und Teppiche mit floralen Ornamenten findet man in Chiwa.
Besonderes Augenmerk sollte man auf Teppiche aus Seide gelegt werden. Ihre Herstellung erfordert eine besondere Behandlung, Professionalität und Kompetenz. Ein Quadratmeter einer solchen Ware besteht aus Tausenden von Knoten und die Arbeit kann mehrere Monate dauern. Die Farben verblassen über Jahre nicht.
Usbekische Handwerker entwickelten nicht nur diese Kunstform weiter, sondern schafften auch neue Techniken und Methoden in der Behandlung, dem Färben und Weben von Teppichen.
Einen Orientteppich kann man mit einem guten Wein vergleichen - je älter er ist, desto höher ist sein Wert für den Eigentümer.

 

Keramikkunst

Keramik findet einen würdigen Platz in der angewandten Kunst Usbekistans und war seit Jahrhunderten eine hochentwickelte Kunstform.
Archäologen finden noch heute unterschiedliche Beispiele der Töpferei auf dem Territorium Usbekistans. Vasen, Becher, Krüge und ähnliche Funde beweisen, dass Keramik aktiv von der Bevölkerung genutzt wurde. Die Verwendung von Keramik ist nach wie vor unter den Einheimischen des Landes beliebt.
Man klassifiziert in Usbekistan glasierte und nicht glasierte Keramik.
Die wichtigsten Zentren dieser Kunst in Usbekistan waren und sind bis heute das Fergana-Tal, Buchara, Samarkand und Choresm. Keramik-Produkte von hoher Qualität wurden auch in Taschkent und anderen Städten gemacht.
Im Laufe der Zeit haben sich mehrere grundlegende Keramik-Schulen herausgebildet und jede von ihnen wurde mit einer originellen Methode der Herstellung, Konsistenz, Motiven und Farbharmonie bekannt.
Die Töpfer aus Choresm und dem Fergana-Tal verwenden eine alkalische Glasur und weisen deshalb blau-weiß-grüne Farben auf. Meister aus Samarkand und Buchara verwendet eine Bleiglasur und aus diesem Grund herrscht grün-braun-gelbe Farbgebung vor.
Töpfer stellen nicht nur Haushaltsgeschirr, sondern auch Spielzeuge für Kinder in Form von Drachen, Vögeln usw. her.

Usbekische SUZANE - Stickerei

Suzani ist der Name für einen Teppich oder ein Tuch, das mit Seide oder Baumwolle bestickt wird. Die Fasern werden mit natürlichen Farben gefärbt. Suzani ist ein integraler Bestandteil der usbekischen Menschen. Früher konnte man sich eine Brautmitgift nicht ohne Suzani vorstellen. Meistens dienten die Teppiche als Wanddekoration. Diese mühsame Arbeit wurde von Frauen durchgeführt, die die Kunst der Stickerei seit der Kindheit erlernten. Die Ornamentik, das Farbenspiel und die Technik spielen die wichtigsten Rollen bei der Produktion der schönsten Suzani.

Daher haben sich einige Schulen der Stickereikunst während der Jahrhunderte gebildet: Nurata, Buchara, Samarkand, Urgut, Shahrisabz, Taschkent und Fergana Schulen. Jede Schule unterscheidet sich durch ihre spezifische Stickart und Farbgebung.

Nurata Schule: es variieren verschiedene florale Ornamente auf weißem Hintergrund: große Blumensträuße in den Ecken, Äste mit blauen, pinken, elfenbeinfarbenen und goldenen Blumen, Rosetten, Figuren von Vögeln und anderen Tieren.

Buchara Suzanis:  gelten als die schönsten in Zentralasien. Die Besonderheit ist die Anwendung des Tambour Stichs. Muster und Kompositionen sind vielfältig. Das häufigste Ornament ist eine geschlossene Komposition mit markierter Mitte und einer Rosette als Grundmotiv.

Samarkand Suzanis: kommt aus der antiken Kunst Sogdianas. Im Gegensatz zur Nurata und Buchara Schule, kommen aus Samarkand größere und lakonischere Bilddetails vor. Grundmotiv ist eine Rosette aus karminroten Blättern.

Suzanis aus Urgut, Stadt in der Region von Samarkand: blaue und gelbe stilisierte Muster in den Formen von Blumen symbolisieren die Sonne. Manchmal können die Muster Hausartikel wie Teekannen und Teeschalen darstellen.

Ein großes Medaillon in der Mitte und Medaillons  in den Ecken sind typisch für Suzanis aus Shahrisabz. Die Medaillons sind mehrfarbig und haben geometrische Formen. Die interessanten und ausdrucksstarken Stickereien aus Shahrisabz werden mit dem Tambour Stich auf farbigem Hintergrund angefertigt.

Suzanis aus Taschkent: es gibt zwei Arten von Zierstickereien: “ Palyak“ und „Gulkurpa“. Große dunkelrote Kreise bedecken das Gewebe und sind typisch für Palyak. Gulkurpa (Blumenteppich) sind mit Blumenmustern verziert. Motive von stilisierten Sternen, Sonnen und Blumen sind wesentlicher Bestandteil sowohl für palyak, als auch für gulkurpa Suzanis.  

Suzanis der Fergana-Schule: werden in der Regel auf  dunkelgrüner oder lila Seide oder Satin gefertigt und unterscheiden sich durch luftige Muster. Eine Rosette aus konzentrischen Ringen ist das  häufigste Ornament.